Heute habe ich das Gefühl, dass wir richtig angekommen sind. Die letzten drei Tage waren durch und durch gefüllt. Gefüllt vom Leben.
Am 25.10. sind wir aus Klagenfurt losgefahren, haben viel zurückgelassen, viel mitgenommen.
Wir lassen viel zurück, nehmen viel mit. Unsere Liebsten, unser Umfeld, unsere ganzen Geschichten und Erinnerungen. Der Abschied hat mit allen etwas gemacht, leicht ist es nie.

Wir waren sehr schnell bei der Grenze und sind zusammen Pizza essen gegangen. Es war schön, miteinander zusammenzusitzen, sich gegenseitig zu erkennen und anzuerkennen. Nicht weit entfernt haben wir unseren ersten Stellplatz für die Nacht gefunden: Lago de Predil. Ich habe so ein schönes Gruppengefühl verspürt. Um die Vans verteilt, Musik hörend, tanzend, lachend. Die Sterne haben zurückgelacht.

Der erste gemeinsame Morgen. Nebelschwaden über dem See, dazwischen eine Insel, die Farbe vom Wasser aquamarin. Darüber die mächtigen Berge, die Spitzen von der Morgensonne begrüßt. Wir haben gemeinsam in den Tag gestartet:
Dehnübungen, Meditation, Sport
Dann sind wir los. Ich bin so froh, dass wir uns für den Bergpass entschieden haben. Eine unglaubliche Straße bergab, runter ins Neue. Die Berge, die schroffen Felswände, Wasserfälle und Wasserflüsse, alles so mächtig.
Ich liebe Reisen, die ganz neuen Verknüpfungen, die im Gehirn entstehen dürfen, wenn man neue Orte sieht/neue Leute kennenlernt. Der erste Stopp, Gruppeneinkauf, weiter zu einem Café, W-Lan Meditation. Weiter Richtung Venedig.
Ewig weites mit Monokultur übersätes Flachland. Traurig, was der Mensch aus der Natur gemacht hat. Das System, in dem wir leben, ist so stark auf den größtmöglich Ertrag zentriert. Immer und überall. Dabei werden die Menschen und das Land zerstört zurückgelassen. Das kann nicht richtig sein.
Der erste Platz, den wir für die zweite Nacht ausgesucht hatten, war inmitten eines Sumpfgebietes und übersät mit Mücken. Wir funktionieren sehr gut miteinander, treffen gemeinsame Entscheidungen ohne Widerstände und Leid. Auf der Suche nach einem neuen Ort, haben wir einen Parkplatz inmitten einer Siedlung gefunden, unser Camp für die zweite Nacht aufgeschlagen, zusammen gegessen und die Premiere von unserem ersten YouTube-Video gefeiert.

Am nächsten Morgen sind wir weiter Richtung Ravenna. Am Weg hatten wir einige Stopps: Wasser auffüllen, Einkaufen, Baumarkt und ein Café am Straßenrand. Wir sind das erste Mal am Meer angekommen und voller Euphorie auf den Strand gerannt. Der Sand war mit Muscheln übersät, der Himmel orangepink angehaucht. Die anderen haben gekocht und sind beim Camp geblieben. Leon und ich haben uns währenddessen auf die Suche nach einer Dusche begeben. Ungeduscht, dafür voller Adrenalin und einer guten Geschichte, sind wir nach eineinhalb Stunden zurück ins Camp.

Wir hatten eine „interessante“ Situation mit einem italienischem Ehepaar, das unsere Suche nach einer Dusche falsch aufgenommen, uns festgehalten und mit Polizei gedroht hat.
Die Sprachbarriere verhindert teilweise, die Art und Weise, wie mensch die Worte betont und meint, richtig aufzufassen. Trotzdem finde ich das mensch die Intension/Energie bei jedem Menschen, egal welche Sprache mensch spricht (grob) deuten kann. Das Paar jedoch blockierte uns gegenüber total. Sie haben sich komplett verschlossen und wollten uns nicht anhören. Die Situation hat sich entspannt, als ein deutschsprechender Mann, den das Paar zuvor angerufen hat, gekommen ist. Wir konnten ihm die Situation erklären. Danach war alles gut. Nur die Frau wollte nicht akzeptieren, dass wir ohne Bestrafung davongekommen sind.
Nachdem wir den anderen berichtet und uns gestärkt haben, waren wir immer noch ungeduscht. Also weiter auf Suche. Nach ein paar Telefonaten mit nahegelegenen Hotels, haben wir eine Frau erreicht, die uns für 30 Euro ein Airbnb, in dem wir duschen gehen konnten, zur Verfügung gestellt hat. Voller Freude der bevorstehenden Reinigung haben wir unser Camp abfahrbereit gemacht. Auf einmal ist ein großer Camper mit Wiener Kennzeichen reingefahren. Wir haben ein sehr liebes Paar kennengelernt. Die Interaktion war richtig schön und hat uns viel bedeutet. Der Austausch war sehr spannend, informativ und inspirierend.
Trotz der Aufregung sind wir aufgebrochen. Endlich! Die erfrischende Dusche in Sicht.
Die Frau vom Airbnb war voll lieb und sehr begeistert von uns. Frischgeduscht und mit neuer Energie haben wir uns auf die Suche nach einem Platz für die Nacht gemacht. Wir waren sehr lange unterwegs. Den finalen Platz haben wir um 01:40 Uhr gefunden. Die Stunden voller Suche und Hindernissen haben wir mit diesem Satz beschrieben:
„Das Nomadenleben stößt auf die Schranken der Sesshaftigkeit und des Privateigentums.“
Der nächste Morgen hat sehr gut getan. Es ist schon so schön warm. Wir brauchen untertags fast keine Kleidung.
Dann sind wir aufgebrochen. Unser Ziel war, einen schönen Ort zu finden und zu entspannen. Das haben wir erreicht. Durch Zufall haben wir diesen Ort am Meer entdeckt. Die letzten Stunden waren sehr wohltuend. Wir hatten heute mehrere schöne Interaktionen mit den verschiedensten Menschen, jede einzelne davon sehr bereichernd und inspirierend. Wir wurden vom Fluss des Lebens beschenkt. Eine Frau hat uns 50€ geschenkt: „For pizza, for all of you“.
Ich fühle hier sehr viel, bin in Gedanken und mit meinem Herzen bei meinen Liebsten. Danke, dass ich leben und fühlen darf.

– Blogeintrag von Ismael (29.10.2025)
